Jürgens Reise um die Welt

Colonia – Koloniales Erbe und das Licht des Südens

Eine Zeitreise in Pastelltönen

Wenn es in Uruguay einen Ort gibt, an dem Geschichte wie in einem offenen Bilderbuch lebendig wird, dann ist es Colonia del Sacramento. Hier am Río de la Plata reicht der Blick so weit über das Wasser, dass du fast glauben könntest, am Meer zu stehen.

Die Stadt wurde 1680 von Portugiesen gegründet und war lange zwischen Portugal und Spanien umkämpft. Beide haben ihre Spuren hinterlassen. Unterschiedliche Straßenverläufe, alte Häuser und erhaltene Befestigungen erzählen davon.

Das Barrio Histórico gehört heute zum UNESCO-Welterbe. Mit seinem unebenen Pflaster, den niedrigen Häusern und den kleinen Plätzen lädt es zum Schlendern ein. An manchen Tagen ist hier allerdings einiges los – das gegenüberliegende Buenos Aires ist mit der Fähre gut erreichbar. Für ruhige Eindrücke lohnt sich deshalb auch ein Spaziergang am frühen Morgen.

Das Departamento Colonia hat aber mehr zu bieten als seine bekannte Hauptstadt. Im Hinterland erwarten dich kleinere Orte, Landwirtschaft und die Spuren europäischer Einwanderer.

Geheimnisvolle Orte – Geschichten zwischen Pflastersteinen

Calle de los Suspiros: Die „Straße der Seufzer“ gehört zu den bekanntesten Gassen der Altstadt. Alte Steinmauern, niedrige Häuser und das historische Pflaster machen ihren besonderen Reiz aus. Um ihren Namen ranken sich verschiedene Legenden, manche erzählen von Liebe, andere von Verurteilten auf ihrem letzten Weg. Welche Geschichte du auch hörst: Eine eindeutig belegte Erklärung solltest du darin nicht suchen.

Das alte Stadttor: Am Portón de Campo erinnern die rekonstruierte Zugbrücke und die Befestigungsreste an die Zeit, als Colonia verteidigt werden musste. Heute gehst du hier ganz unbeschwert hindurch. Dahinter kannst du dich durch die Gassen treiben lassen und entdecken, wie viel vom alten Stadtbild erhalten geblieben ist.

Colonia Suiza – Nueva Helvecia: Einen anderen Teil der Geschichte lernst du in Nueva Helvecia kennen. Der auch als „Colonia Suiza“ bekannte Ort wurde im 19. Jahrhundert von europäischen Einwanderern gegründet, darunter viele Schweizer. Ihre Herkunft zeigt sich bis heute in örtlichen Traditionen und in der Käseherstellung. Ein Abstecher führt dich damit aus den kolonialen Gassen in die ländliche Einwanderungsgeschichte der Region.

Regionale Köstlichkeiten – Käse, Wein und ein Platz am Wasser

In Colonia kannst du Stadtbummel und gutes Essen leicht miteinander verbinden. Und wenn du weiter durchs Departamento reist, lohnt sich auch ein Blick auf die Erzeugnisse der kleineren Betriebe.

Essen in der Altstadt: Manche Restaurants befinden sich in historischen Häusern oder haben kleine Innenhöfe. Auf den Speisekarten findest du unter anderem klassische Fleischgerichte und je nach Lokal auch Fisch. Such dir einen Platz, an dem du gern sitzen bleibst, denn die Atmosphäre gehört hier zum Essen dazu.

Die Käsetradition: Rund um Nueva Helvecia hat die Herstellung von Käse eine lange Geschichte. In Käsereien und Geschäften kannst du nach regionalen Sorten fragen und dir etwas für eine kleine Mahlzeit zusammenstellen. Frisches Brot dazu, vielleicht ein ruhiger Platz im Grünen – viel mehr braucht es manchmal nicht.

Wein aus der Region: Auch der Weinbau gehört zum Departamento Colonia. Neben dem in Uruguay bekannten Tannat kannst du weitere Rebsorten entdecken. Wenn du dich dafür interessierst, bietet ein Besuch auf einem Weingut mehr Einblicke als der Blick auf ein Flaschenetikett.

Und am Ende des Tages zieht es dich vielleicht wieder ans Wasser. Wenn das Abendlicht über den Río de la Plata fällt, verstehst du gut, warum viele Besucher hier noch ein wenig länger bleiben möchten.

Weiter nach Flores

Nun verlassen wir den Río de la Plata und reisen nach Nordosten ins Landesinnere nach weiter Flores. Dort tauschen wir die historischen Gassen gegen offene Landschaften, ungewöhnliche Felsformationen und Spuren aus vorgeschichtlicher Zeit. Nach dem kolonialen Erbe wartet ein noch viel älteres Kapitel auf uns.

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