Ostwestfalen-Lippe - das Wiehengebirges, der Teutoburger Waldes und das Weserbergland
Wenn man sich auf den Weg nach Ostwestfalen-Lippe macht, betritt man eine Region, die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig bodenständig und zurückhaltend wirkt, aber bei genauerem Hinsehen vor Charakter, Geschichte und Eigenheiten nur so strotzt. Eingebettet zwischen den sanften Höhenzügen des schlägt diese alte Kulturlandschaft eine Brücke zwischen dem norddeutschen Tiefland und den mitteldeutschen Mittelgebirgen.
Geschichte: Von Sachsen, Grafen und preußischem Geist
Historisch ist OWL tief verwurzelt im alten Herzogtum Sachsen. Schon im Frühmittelalter war dieser Raum umkämpft, wie die berühmte Karlsburg bei Paderborn und die blutigen Sachsenkriege Karls des Großen zeigen. Im Laufe der Jahrhunderte fragmentierte sich das Gebiet in eine faszinierende Kleinstaaterei: Das Fürstentum Lippe, die Grafschaft Ravensberg, das Hochstift Paderborn und das Fürstentum Minden prägten jahrhundertelang ihre ganz eigenen Traditionen.
Während Lippe stolz auf seine Unabhängigkeit pochte – man blieb bis in die Weimarer Republik ein Freistaat –, war das Ravensberger Land früh durch die Textilindustrie geprägt. Hier schufteten die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert in der Heimindustrie am Spinnrad, bis die Industrialisierung mit Städten wie Bielefeld das Zentrum veränderte. Dass OWL heute preußisch-protestantisch geprägt ist (mit katholischen Inseln wie dem Paderborner Land), merkt man der Region bis heute an: Verlässlichkeit, Fleiß und eine gewisse Skepsis gegenüber allzu lauten Tönen gehören hier einfach zum guten Ton.
Die Menschen sind bodenständig, direkt und verlässlich
Die Ostwestfalen und Lipper gelten im bundesdeutschen Schnitt oft als reserviert – wer das jedoch als Kühlheit missversteht, verpasst das Wesentliche. Die Menschen hier schätzen das gesprochene Wort, das oft kurz, aber ehrlich ausfällt. Man redet nicht lange um den heißen Brei herum. Wer das Vertrauen eines Ostwestfalen gewinnt, hat einen Freund fürs Leben, auf den in jeder Lebenslage Verlass ist. Gepaart ist das mit einem tiefen Stolz auf die eigene Heimat, die landschaftliche Schönheit und den Erfindergeist, der sich in unzähligen erfolgreichen mittelständischen Unternehmen im "Topfgewächs" der deutschen Wirtschaft zeigt.
Versteckte Kleinode: Orte abseits der Reiseprospekte
Während das Hermannsdenkmal und die Externsteine natürlich jeder kennt, entfaltet Ostwestfalen-Lippe seinen echten Zauber an den Orten, die in keinem Hochglanzprospekt stehen
:- Das Weserrenaissance-Schloss Wendlinghausen bei Lemgo
Umgeben von idyllischen Gräften und abseits der großen Touristenströme steht dieses architektonische Juwel. Der dazugehörige Park lädt zum Verweilen ein, und die Stille ringsum lässt die Renaissancezeit lebendig werden. - Die lippischen Velmerstot-Hänge bei Horn-Bad Meinberg
Nicht der oft überlaufene Gipfel selbst ist das Ziel, sondern die verwunschenen, moosbewachsenen Pfade durch die uralten Buchenwälder der Externstein-Umgebung, wo man stundenlang wandern kann, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. - Schieder-Schwalenberg (Die Malerstadt)
Zwar kein kompletter Geheimtipp mehr, aber vor allem in den schmalen Gassen der Altstadt von Schwalenberg spürt man noch die Künstlerboheme vergangener Tage. Historische Fachwerkhäuser drängen sich hier an den Hang, und die Ruhe ist wohltuend. - Das Freilichtmuseum Detmold im Abendlicht
Natürlich kennt man das Museum, aber kaum jemand nutzt die Abendstunden, wenn die Tore für den regulären Betrieb schließen, um über die alten Hofanlagen zu streifen und die Atmosphäre der historischen Dörfer ganz für sich zu haben. - Die Senne-Bäche und Moorgebiete
Östlich von Bielefeld liegt eine urwüchsige Heide- und Moorlandschaft. Wege wie durch das Bollautal führen durch eine fast schottisch anmutende Einsamkeit, die von kaum jemandem wahrgenommen wird.
Regionale Küchen-Spezialitäten: Herzhaft, ehrlich und bodenständig
Die ostwestfälische Küche spiegelt den Charakter ihrer Bewohner wider: Sie ist unaufgeregt, kräftig und versteht es, das Beste aus Feld, Wald und Wiese zu machen.
- Lippischer Pickert
Das unbestrittene Nationalgericht der Region. Ein deftiger Hefeteigkuchen aus Kartoffeln, Mehl, Milch und Rosinen, der in der Pfanne ausgebacken wird. Traditionell wird er heiß mit Rübenkraut (Zuckerrübensirup) oder Butter und Leberwurst gegessen – eine faszinierende und köstliche Kombination aus süß und herzhaft. - Pumpernickel
Das dunkle, extrem malzige Westfälische Schwarzbrot wird seit Jahrhunderten im Soester und Bielefelder Raum gebacken. Durch die lange Backzeit von bis zu 24 Stunden karamellisiert der Zucker im Roggenschrot, was ihm seinen unverwechselbaren, tiefen Geschmack verleiht. - Blindhuhn
Ein traditioneller Eintopf aus dem Ravensberger Land. Der Name leitet sich scherzhaft davon ab, dass selbst ein blindes Huhn hier einmal ein Korn finden würde, denn in diesen Topf wandert alles, was Garten und Speisekammer hergeben: Dicke Bohnen, Birnen, Speck, Kartoffeln und Wurzelgemüse. Die süß-salzige Note ist typisch für die Region. - Spargel aus dem Mindener Land
Wenn im Frühling die Saison beginnt, hat der Spargel von den sandigen Böden rund um Minden einen festen Platz auf den Tischen. - Minden-Ravensberger Pfefferpotthast
Ein historischer Rindfleischeintopf, stark gewürzt mit viel Zwiebeln, Lorbeer und Piment, der früher das klassische Festessen bei Hochzeiten und Schützenfesten war.
